Kategorienarchiv: Gehört, gelesen und gesehen

Die Stadt der Sehenden - José Saramago

Den Vorgänger dieses Buchs habe ich vor einigen Jahren gelesen und es gehört definitiv zu den Werken, die mir nachhaltig in Erinnerung geblieben sind. Die Stimmung des Buchs kann ich auch nach Jahren noch wieder in mir hervorrufen. Bedrückend, beängstigend, schrecklich.

Nun also ein weiteres Buch aus der Feder des Herrn Saragmago, es kann durchaus als eine Art Fortsetzung betrachtet werden. Zumindest spielt sich die Geschichte in derselben Stadt ab und es wird auch auf die Ereignisse des anderen Buchs Bezug genommen.

Die Stadt der Sehenden

Im Gegensatz zum ersten Buch gibt es hier kein Happy End, zumindest nicht äußerlich. Der Widerstand trägt zwar Früchte, wird aber blitzschnell niedergeschlagen.

Es ist äußerst anstrengend, dieses Buch zu lesen, weil es keinerlei Interpunktion für wörtliche Rede gibt. Und an anderen Satzzeichen gibt es nur  Kommata und Punkte. Somit wird ein Satz schonmal recht lang, zuweilen eine halbe Seite lang. Daher ist das Werk für die Nachtlektüre nicht wirklich geeignet, weil sie schnell ermüdet und man auf diese Weise kein großes Stück schafft.

Aber es  ist hervorragend fabuliert und formuliert, zeitweise habe ich nur deswegen weiter gelesen. Natürlich irgendwann auch, weil ich wissen wollte, ob sich die Sache aufklärt (tut sie übrigens nicht).

Ein beeindruckendes Werk, auch wieder verstörend und leider wenig tröstlich. Ich fürchte, auch mit einigem Realitätsbezug, wenn auch hoffentlich stark überzeichnet…

Der Geist der Madame Chen - Amy Tan

Mal wieder eins von jenen Büchern, die ich nach einigen Seiten beiseite gelegt habe, irgendwie ging es nicht an mich.

Dann sah ich es als Hörbuch in der Bücherei, gelesen von Maren Kroymann. Da ich deren Stimme mag, dachte ich, ich versuchs nochmal auf diesem Weg.

Der Geist der Madame Chen/5 CDs

Und ich bin froh daß ich das gemacht habe. Denn das Buch ist wirklich gut und unterhaltsam. Der Vorteil beim Hörbuch war, daß die ersten Seiten weggelassen wurden. Denn die waren es, die mich das Buch haben weglegen lassen. Da ging es mir zu geisterhaft und esotherisch zu.

Das Hörbuch startet direkt mit der Geschichte und diese ist gut geschrieben und natürlich sehr gut vorgelesen.

Es ist die Geschichter einer Gruppenreise nach Burma, während der mitunter skurril anmutende Abenteuer passieren. Mit einiger Ironie erfährt man nebenbei etwas von den Verhältnissen in Burma unter der Militärregierung

Sehr empfehlenswert!

Neue Bühne - 1001 Nacht

Gestern gabs mal wieder eine Premiere in der Neuen Bühne und ich muß sagen, der Abend war äußerst vergnüglich. Lang war er auch, aber das sind die Premieren dort meist…

Auf Grund unserer Fördermitgliedschaft bekommen wir reservierte Plätze, somit ersparen wir uns das Anstehen eine Stunde vorher, der Abend beginnt doch um einiges gemütlicher so.

Wie üblich wird vorher gespeist, die Speisekarte enthielt diesml selbstverständlich orientalische Gerichte, sehr lecker. Leider hatte der Küchenchef schon wieder vergessen, die Rezepte auszulegen….

Das neue Stück heißt “1001  Nacht” und es handelt von der Geschichte der Shehrazade, die ihrem Mann jede Nacht eine Geschichte erzählt, um sich vor dem Beil des Henkers zu retten.  Die Story ist denke ich hinreichend bekannt. Falls nicht, hier bitte nachlesen.

Wir wurden umwoben von einem  Netz aus Geschichten. Die Personen der einen Geschichte erzählen wieder Geschichten und mitunter vergaß man ganz, auf welcher Erzähl-Ebene man sich gerade befand. Die ein oder andere Wendung hätte man vielleicht auch weglassen können, wobei mir spontan auch nicht einfallt, welche das sein könnte. Irgendwie waren doch alle wichtig. Das empfand wohl auch die Regisseurin so.

Es ist immer wieder bewundernswert, wie perfekt die Schauspieler in die jeweiligen Rollen schlüpfen, und diesmal hatten sie eine Menge zu schlüpfen. Es wurden ca. 40 Personen von dem ca. 10-köpfigen Ensemble dargestellt, selbstverständlich immer in unterschiedlichen Kostümen.

In der Pause erwartete man zwangsläufig, auf Haufen von Kleidung zu treffen, irgendwo müssen die das Zeug ja lassen. Aber dem war natürlich nicht so, man ist dort durchaus professionell und organisiert.

Das Stück bietet nachdenkliche und heitere Momente, durchaus auch mal einige frivole (hier waren die Lacher am lautesten, der Mensch ist halt primitiv *g*)

Fazit: sehr gut gemacht, sehr gut gespielt, sehr gut gekocht.

Unbedingt empfehlenswert!

Die Pest - Albert Camus

Mal wieder ein Klassiker, den ich vor vielen Jahren gelesen und nun als Hörbuch gefunden habe.

Die Pest. 3 CDs

Sehr angenehm gelesen von Ulrich Matthes.

Leider ist die Fassung gekürzt, was ich wirklich nicht verstehen kann, ist das Original doch nicht wirklich dick. Wieso wurde da rumgeschnippelt?? Schade, gehen doch dadurch meiner Meinung nach wichtige Teile verloren.

Wie bei vielen Büchern dieser Art, ist es fürs Verständnis eigentlich nötig, die Hintergründe zu kennen. In der Schule mußte man sie mühsam durch endloses Interpretieren herausfinden, heutzutage gibt es glücklicherweise andere Möglichkeiten.

Aus gegebenem Anlass

So hieß die Sendung gestern abend, bei der sich Marcel Reich-Raniki und Thomas Gottschalk über die TV-Kultur unterhielten, nachdem Herr Ranicki einen Fernsehpreis zurückgewiesen hat.

Wie fand ich die Diskussion nun?

Herr Ranicki war so wie immer, eine Karrikatur seiner selbst, er ist einfach unbeschreiblich. Und er lebt durchaus in anderen Sphären als ich. Ich kann mich auch mal mit Blödsinn unterhalten lassen, bin nicht immer hochgeistig oder intellektuell.

Er hat sich aufgeregt und vermutlich auch deswegen, weil er 4 Stunden lang warten mußte und ihm das, was er währenddessen sah, nicht so gut gefiel. Daraus jetzt so ein Tamtam zu machen war nicht unbedingt notwendig.

Dennoch kann ich seinen Unmut verstehen, machmal ärgere ich mich auch über den sinnlosen Kram, der uns im TV vorgesetzt wird. Allerdings hat jeder Fernseher eine Möglichkeit, ihn auszuschalten, wenn meist mittlerweile auch nur auf Stand-by. Insofern tun wir uns das alles freiwillig an.

Gottschalk hat seine Sache meiner Meinung nach gut gemacht, ich war überrascht.

Er hat natürlich die “andere” Seite vertreten, die sinngemäß sagt: Die Menschen verstehen keinen Shakespeare und wollen ihn daher auch nicht haben.  Wir müssen erfolgreich sein, d.h. wir bieten das  Niveau, das Quote bringt. Oder wir sterben in Schönheit.

Schon wahr, die Nachfrage bestimmt das Angebot.

Aber daß die Jugend heutzutage scheinbar keine hochgeistige Literatur mehr versteht, liegt doch zum großen Teil auch daran, daß sie ihr nirgends mehr dargeboten wird, oder?

Kann zu einer Henne-oder-Ei-Frage werden, ist mir schon klar…

Eine durchaus interessante Diskussion, wie seht Ihr das?

Touchdown - John Grisham

Jaaa, der Herr Grisham kann auch ohne “Akte” oder “Jury”, sogar ganz ohne Kriminalität!

Schon beim Roman “Das Fest” habe ich mich köstlich amüsiert und war angenehm überrascht, daß ein scheinbar festgelegter Krimi-Autor auch was völlig anderes schreiben kann und mag.

Und mit diesem Buch ist es genauso, ein echt vergnüglicher, kurzweiliger Roman:

Touchdown

Einen amerikanischen Football Spieler verschlägt es nach Parma (Italien!) und dort wird dann alles ganz anders als er es sich vorgestellt hat.

Schwerelos - Ildiko von Kürthy

Nachdem ich mich wochenlang durch einen 1000-Seiten schweren Krimi gekämpft hatte, mußte jetzt mal wieder was echt Triviales auf den Nachttisch.

Das ist mal ein echt würdiger Nachfolger für das Buch “Mondscheintarif”: Schwerelos

Schwerelos

Beim Lesen von “Mondscheintarif” habe ich damals Tränen gelacht, was ich danach von Frau Kürthy gelesen hatte, fand ich nicht so berauschend. Aber hier, mit “Schwerelos” hat sie wieder herrliche Formulierungen gefunden, die mich wieder zum Kichern und Prusten brachten.

Klar, die Story ist nix weltbewegendes, fast vorhersehbar, wenn auch nicht so ganz. Aber für einen oder zwei Nachmittage echt mal ganz nett.

Der Fall Jane Eyre - Jasper Fforde

Nach dem Genuß der “echten” Jane Eyre kam mir dieses Hörbuch gerade recht, dachte ich.

Der Fall Jane Eyre. 3 CDs

Eine skurrile Auseinandersetzung mit diesem und anderen historischen Werken.

Aber für mich doch ein wenig zu schräg, ich wußte mitunter nicht mehr, ob mein mp3-player beim Rippen der CD´s vielleicht den ein oder anderen Track vertauscht hatte oder  ob ich einfach den Faden verloren habe oder ob alles seine Richtigkeit hatte…

Echt mal was anderes, keine Frage.

Auf jeden Fall hervorragend gelesen von Andrea Sawatzki. Sie liest den Stoff äls wären die Vorkommnisse in dem Roman das normalste was einem Menschen geschehen kann. Allein das ist schon mal ein Reinhören wert.

Jane Eyre - Charlotte Bronte

Den Roman hatte ich noch nie gelesen, nur eine Filmversion vor vielen vielen Jahren mal im TV gesehen. Nun habe ich die Hörbuch-Version gefunden und konnte nicht widerstehen.

Jane Eyre, 7 CDs

Nachdem ich schon in diesem Artikel meine Meinung über Sophie Rois relativiert habe, muß ich sie nun vollends über den Haufen werfen. Wie sie dieses Werk liest ist einfach unbeschreiblich. Auf dem Cover steht “Das ist schon gar kein  Hörbuch mehr - das ist Cinematografie mit anderen Mitteln…” Und dem muß ich recht geben. Man sieht die Personen vor sich, so differenziert spricht Rois sie.  Besonders natürlich Jane Eyre, in die sie sich mehr hineinzufühlen scheint als in die anderen Personen des Werks.

Erstklassiger Hörgenuß, vorausgesetzt, man interessiert sich für die Story.

Die Chemie des Todes - Simon Beckett

Jaaaa, ein richtig guter Krimi.

Die Chemie des Todes

Klar, man weiß genau, der Mörder muß einer von den vermeintlich Guten sein, es ist ja meistens so. Daher war die Überraschung nicht übermäßig groß als die Auflösung kam. Aber die Story ist gut aufgebaut, die Personen sympathisch gezeichnet.

Sehr spannend, mal wieder ein Buch, das ich nicht aus der Hand legen wollte, ich bin sogar ein paar mal mit der Straßenbahn zur Arbeit gefahren deswegen *g*